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Die eHealth Strategie des Bundes kurz erklärt
02.08.2010
Hintergrund
Die Informatik im Gesundheitswesen (auch im internationalen Kontext) ist mehrheitlich beschränkt auf Lösungen für einzelne Institutionen und die elektronische Abrechnung.
Ein Blick auf andere Industrien zeigt aber, dass mit dem Einsatz von Informatik die Sicherheit und Effizienz zum Wohl der Akteure verbessert werden kann.
Vor diesem Hintergrund hat sich der der Bundesrat im Januar 2006 entschieden, eine nationale eHealth Strategie zu definieren, die 2007 von Bund und Kantonen verabschiedet wurde.
Um was geht es?
Zwei Ziele sollen erreicht werden:
- Aufbau des elektronischen Patientendossiers
- Aufbau eines Gesundheitsportals mit qualitätsgesicherten On-line Informationen
Wie sollen diese Ziele erreicht werden?
- Organisatorisch wurde ein ein Koordinationsorgan Bund und Kantone gebildet, das sich um die zu lösenden Fragen kümmert.
Damit die Vision eines elektronischen Patientendossiers Wirklichkeit werden kann, müssen verschiedene Fragen geklärt werden, hier einige der wichtigsten:
- Auf welche Standards stützt sich die Architektur?
- Welche Kernelemente umfasst diese Architektur?
- Wie sieht eine Architektur aus, die mit der Realität des föderalistischen Aufbau unseres Gesundheitswesens umgehen muss?
- Wer darf wann was sehen im elektronischen Patientendossier?
Die Antworten zu diesen Fragen werden vom Koordinationsorgan laufend entwickelt und sind in verschiedenen nun bestehenden Dokumenten umrissen.
Wie sieht die Vision konkret aus?
Dazu ein Beispiel: Ein niedergelassener Arzt gibt ein Dokument in seiner Praxissoftware frei. Es kann sich zum Beispiel um eine Überweisung handeln oder um die Zusammenfassung der wichtigsten Informationen zu einem Patienten.
Das Dokument wird auf einen Server ("Repository" genannt) geladen. Da es schweizweit viele von diesen Servern geben wird (unser föderalistisches Gesundheitssystem mit verschiedene Interessengruppen) muss die "Adresse" des Dokuments gespeichert werden (in einem sogenannten "Registry"). Damit können die Informationen zu einem Patienten, die an verschiedenen Orten lagern, zu einem Dossier zusammengeführt werden.
Sie werden nach einem Patienten suchen können und alle Informationen, die für Sie freigegeben wurden, einsehen können. Spannend wird sein wie sichergestellt werden kann, dass Sie nicht von Informationen überflutet werden, bzw. die für Sie wichtigen und richtigen Informationen mit wenig Aufwand finden können.
Damit das ganze funktioniert braucht es weitere Elemente, hier eine Auswahl der Wichtigsten:
- Ein Verzeichnis der Akteure ("Health Professional Index, HPI")
- Eine eineindeutige Identifizierung der Patienten ("Master Patient Index, MPI"). Es wäre fatal, wenn Informationen dem falschen Patienten zugeordnet würden!
- Ein "Schlüssel", der den Akteuren den Zugang ermöglicht (Für Ärzte die "Health Professional Card, HPC" der FMH, für Patienten die Versichertenkarte)
- ein Verzeichnis der Rollen und Berechtigungen ("Was darf der Spezialist, dem ein Patient zugewiesen wurde, sehen?").
Es gibt noch viel zu tun!
Sie sehen: Es gibt noch viel zu tun! Wichtig für Sie als Arzt ist, dass Ihre Systeme nicht 24 Stunden online am Internet hängen müssen: Sie geben Dokumente frei, die an einen Server gesandt werden. Wer diesen lokalen Server betreibt ist übrigens noch nicht klar: Ist es Ihre lokale Ärztevereinigung? Ist es der Kanton? Ich selber bin der Meinung, dass es nie einen einzigen zentralen Server geben wird, sondern mehrere, die logisch miteinander verknüpft werden. Ein elektronisches Patientendossier wird sich in diesem Fall aus Informationen/Dokumenten, die an verschiedenen Orten lagern, zusammensetzen. In der Swiss Medical Suite nennen wir dies übrigens "Das virtuelle Patientendossier".
Im ganzen System soll auch der Patient eingebunden werden. Er soll z.B. (mit-) eintscheiden können, wer was im Dossier sieht.
Wie um alles in der Welt gelangen wir zu dieser Vision?
Wie gesagt, die Kernelement der Vision sind festgelegt. Spannend wird sein, wie wir von A nach B gelangen. In weiteren Artikeln werde ich mich zur konkreten Umsetzung äussern, so habe ich in meinem Artikel vom 2.7.2010 den Ansatz der Swiss Medical Suite erläutert.
Olivier Willi, Managin Partner, visionary AG