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Artikel NZZ zum eHealth Projekt "Etoile" in Genf
03.09.2010
In der NZZ Nr. 203 vom 2.9.2010 erschien ein Artikel über das eHealth Projekt "Etoile" in Genf.
Den Leistungserbringern und den Patienten wird ein Webportal zur Verfügung gestellt, in dem die relevanten medizinischen Daten zur Verfügung gestellt werden. Dies ist ein grosser Schritt Richtung eHealth Strategie des Bundes.
Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, fehlt jetzt noch die Verknüpfung des Portals mit den bestehenden Systemen und Prozessen (z.B. in den Arztpraxen).
Olivier Willi, Managing Partner, visionary AG
Hier der Artikel im Wortlaut:
Patienten und Ärzte erhalten im Rahmen eines Pilotprojekts in vier Gemeinden im Kanton Genf über die Versichertenkarte direkten Zugang zu Patientendaten. Das Projekt entspricht der E-Health-Strategie des Bundes und hat Modellcharakter.
Gregor Henger, Genf
Im Kanton Genf ist bereits seit Jahren ein Informatik-Grossprojekt im Gesundheitswesen unter dem Namen Etoile in Vorbereitung, das nicht nur über die Kantons-, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus aufmerksam beobachtet wird. Im Gefolge der Einführung der bundesweit vorgeschriebenen und auch in der EU gültigen Versichertenkarte werden demnächst je ein Internetportal für Patienten und ein weiteres für die Leistungserbringer - Krankenkassen, Spitäler, Ärzte, Therapeuten und Apotheken - aufgeschaltet. Gemeinsam ist beiden Portalen der Zugang zu elektronischen Patientendossiers aller Krankenversicherten.
Patienten haben im Etoile-Projekt mit der neuen Versichertenkarte, zu deren Abgabe jede Krankenkasse gesetzlich verpflichtet ist, über einen standardisierten Kartenleser - er ist bei den Post-Shops erhältlich - Lesezugang zu ihrem eigenen Dossier. Dieses Patientendossier enthält die Krankengeschichte der betreffenden Person, ärztliche Berichte und Atteste, die Daten von Labortests, abgegebene Medikamente und deren Dosierung, die Ergebnisse von Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren sowie weitere Patientenakten.
Da es sich dabei um zum Teil hochsensible Daten handelt, werden diese unter fünf verschiedenen Zugangsstufen - von öffentlich bis geheim - verschlüsselt abgelegt, wobei die Zugangsberechtigten von den Patienten bei der Erstellung des Patientendossiers gemeinsam mit ihrem gewählten Vertrauensarzt bestimmt werden. Die Speicherung der Patientendossiers erfolgt dezentral und unter vergleichbaren Sicherheitsmassnahmen, wie dies bei Bankdaten der Fall ist.
Marie de Roxa, Generalsekretärin im Departement für Wirtschaft und Gesundheit des Kantons Genf, erläuterte kürzlich bei der Vorstellung des Projekts an der E-Health-Summit-2010-Tagung in Bern, das Etoile-Pilotprojekt umfasse in den kommenden 16 Monaten zunächst die vier Gemeinden Bernex, Confignon, Onex und Petit-Lancy mit einer Wohnbevölkerung von insgesamt rund 30 000 Personen. Es gelang erstmals, alle Kategorien von Leistungserbringern - die je nach erteilter Berechtigung mit einer von der Verbindung der schweizerischen Ärztinnen und Ärzte (FMH) herausgegebenen Karte über ein eigenes Portal Zugang zu den elektronischen Patientendossiers haben - in ein grossräumiges E-Health-Projekt einzubinden.
Der Kanton Genf schuf dafür nach einem anfänglich erfolglosen Versuch in einer Volksabstimmung im Jahr 2008 die gesetzlichen Grundlagen und führt das Pilotprojekt nun gemeinsam mit der Post als Generalunternehmer durch. Es handelt sich um eine Public-Private Partnership zwischen Behörden, der Post und den Software-Lieferfirmen Elca, Cisco und Adnovum.
Etoile entspricht der föderativen E-Health-Strategie des Bundes, die 2007 von der Landesregierung verabschiedet wurde, und hat darum auch für andere Kantone Modellcharakter. Weil das schweizerische Gesundheitswesen in 26 Kantonen rechtlich unterschiedlich geordnet ist, besteht auch in der EU, die mit 27 Mitgliedsländern ähnlich komplex strukturiert ist, Interesse am Schweizer E-Health-Projekt. Es soll deshalb als Referenzprojekt für den EU-Projektverbund Epsos (smart open services for European patients) nominiert werden.